Drei Sommer lang, beginnend mit seinem 16. Lebensjahr, arbeitete der Cartoonist Guy Delisle in einer Zellstoff- und Papierfabrik in Quebec City. Factory Summers erzählt vom täglichen Rhythmus des Lebens in der Fabrik und von den Zwölf-Stunden-Schichten, die er in einem heißen, lauten Gebäude voller rätselhafter Maschinen verbrachte. Delisle richtet seinen bekannten Blick von außen diesmal auf das eigene Umfeld: als Junge unter Männern, mitten im universellen Initiationsritus des Sommerjobs. Schon als Teenager legt Delisles scharfer Blick für Heuchelei die Klassenspannungen und den allgegenwärtigen Sexismus offen, den ein reiner Männerarbeitsplatz zulässt.
Als die Papierindustrie langsam begann, ins Ausland abzuwandern, arbeitete Guy unten in der Halle und übernahm körperlich anstrengende Aufgaben. Er war einer der wenigen jungen Menschen vor Ort und hatte den Job außerdem durch die Beziehungen seines Vaters bekommen – ein Umstand, der ihm zu Recht die Verachtung der alten Hasen einbrachte. Guys Vater verbrachte sein ganzes Arbeitsleben in den Angestelltenbüros über dem Getöse der Maschinen, mit geregelten Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr statt der harten 12-Stunden-Schichten der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter. Guy und sein Vater stehen sich nicht nahe, und die Erfahrungen mit Betriebspolitik und toxischer Männlichkeit bringen Guy dazu, sich zu fragen, ob der Job der Grund für die Unzufriedenheit seines Vaters war.
An seinen freien Tagen fand Guy Zuflucht in der Kunst – in einer Welt weit entfernt vom Fabrikboden. Delisle zeigt, wie er in der öffentlichen Bibliothek Comics für sich wiederentdeckt und sich auf die Animationsschule vorbereitet – nur um gleich am ersten Tag zu hören: „In der Animation gibt es keine Jobs.“ Entschlossen, einen Beruf zu verfolgen, der ihm Spaß macht, und einer Karriere voller Unglück zu entgehen, wirft Guy alle Vorsicht über Bord.