In einer gründlich modernisierten Gesellschaft, die sich ständig aktualisiert, wo findet man da noch echte Verbundenheit? Die Körper der Bürger und die Infrastruktur um sie herum werden unaufhörlich upgedatet. Die Menschen erkennen sich auf alten Fotos nicht wieder und wachen in Wohnungen auf, die plötzlich völlig andere Größen und Formen haben. Pendelstrecken sehen von einem Tag auf den anderen radikal anders aus. Die Bürger haben Mühe, sich anzupassen, weil die Updates viel zu schnell kommen und die Veränderungen viel zu drastisch sind, um intuitiv nachvollziehbar zu sein. Es gibt keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren – die Updates werden von einer namenlosen, gesichtslosen Macht durchgesetzt. Die Erzählerfigur von Familiar Face arbeitet in der Beschwerdeabteilung der Regierung und liest die Berichte der Bürger über die Probleme, die sie mit den System-Updates hatten. Die Aufgabe besteht nicht darin, irgendetwas zu reparieren, sondern vielmehr darin, als einziges menschliches Gegenüber zuzuhören – ein Trost in einem System, das entschieden unpersönlich ist. Diese Beschwerden sind nicht bloß Bug-Reports – sie können alles sein: existenziell, banal oder einfach nur herzzerreißend. Michael DeForge versteht es wie kaum ein anderer, in der absurden Bürokratie des Alltags Menschlichkeit und emotionale Wahrheit freizulegen. Die Markenzeichen seiner Arbeit – eine leuchtende Farbpalette, surreale Designs und ein selbstbewusster Sinn für Humor – bringen Leben in eine oft trostlose technokratische Zukunft. Familiar Face ist eine meisterhafte und tiefschwarzhumorige Auseinandersetzung damit, wie wir unser Selbst definieren und wie wir damit umgehen, wenn so vieles im Leben außerhalb unserer Kontrolle liegt.