Tell Me a Story Where the Bad Girl Wins ist zugleich eine offizielle Biografie und ein Coffee-Table-Artbook, das Leben und Werk der wegweisenden Cartoonistin Barbara Shermund würdigt – einer lange unterschätzten frühen Meisterin des Magazin-Cartoons, deren Karriere sich über die Glanzzeit der amerikanischen Magazine von den 1920er- bis in die 1960er-Jahre erstreckte. Mit ihrem scharfen Witz und ihrem lockeren Stil traf sie mutig den Zeitgeist des Feminismus der ersten Welle und schuf lebendige, kluge Figuren. Shermunds Frauen sagten offen ihre Meinung über Sex, Ehe und Gesellschaft, rauchten, tranken und machten sich über alles lustig – in einer Zeit, in der es alles andere als üblich war, junge Frauen so zu sehen. Shermund hinterließ ein Werk, das seiner Zeit voraus war und bis heute klug, geistreich, relevant und modern wirkt. Als eine der ersten Cartoonistinnen bei The New Yorker im Gründungsjahr 1925 schuf sie neun Cover und mehr als 600 Cartoons für das Magazin, dazu unzählige Spot-Illustrationen, und prägte damit die unverwechselbare visuelle Identität der jungen Publikation. Später wurde Shermund zu einer festen Größe bei Esquire, arbeitete außerdem für Life, Colliers, Judge und weitere Magazine, veröffentlichte einen Zeitungscomic im Syndikat von King Features und illustrierte zahlreiche Bücher. 1950 gehörte Shermund zu den ersten drei Frauen, die in die von Männern dominierte National Cartoonist Society aufgenommen wurden. Ein besonders spannender Aspekt ihrer Arbeit sind die häufigen Anspielungen auf ein queeres Publikum, die in ihrem Werk stärker präsent sind als bei allen ihren zeitgenössischen Cartoonist:innen des New Yorker. In ihren persönlichen Unterlagen finden sich zudem Hinweise darauf, dass sie selbst queer gewesen sein könnte, darunter Liebesbriefe und andere private Archive. Leser:innen entdecken hier Shermunds einzigartiges, lebendiges Leben und ihre Kunst und gewinnen ein Verständnis dafür, wie der Platz von Frauen in der Geschichte des Cartoonings durch größere gesellschaftliche und kulturelle Spielräume geprägt und zugleich verdrängt wurde. Durch genaue Bildanalysen, Archivforschung, Reproduktionen von Originalkunst, Korrespondenz und Fotografien macht dieser Band eine bahnbrechende Magazin-Cartoonistin sichtbar, feiert ihr Schaffen und gibt ihr den verdienten Platz im Kanon der Cartoon-Kunstgeschichte.