Guy Delisles Pyongyang: A Journey in North Korea ist die Graphic Novel, die seinen Durchbruch markierte, und seit über zehn Jahren ein internationaler Bestseller. Als er für eine französische Firma im Animationsbereich arbeitete, gehörte Delisle zu den wenigen Menschen aus dem Westen, die Zugang zu diesem abgeschotteten, festungsartigen Land erhielten. Während er mit einem Arbeitsvisum zwei Monate in der Hauptstadt des Landes lebte, beobachtete Delisle alles, was er von der Kultur und dem Leben der wenigen Nordkoreaner sehen durfte, denen er begegnete, und schildert diesen von Propaganda durchdrungenen Ort mit einem sarkastischen und skeptischen Blick. Als Reiseführer durch das Land ist Delisle kein Gläubiger, sondern ein scharfer Beobachter des Humors und der Tragik diktatorischer Launen, die sich in monumentaler Architektur und winzigen, allgegenwärtigen Fotos des Präsidenten zeigen. Die absurden Unwägbarkeiten des Alltags werden zum Stoff für die Gedanken eines frustrierten Animators, während Langeweile und Zensur immer stärker spürbar werden. Delisle selbst ist der ideale Gegenpol zur nordkoreanischen Propaganda: ein mürrischer Außenseiter, der ein Exemplar von George Orwells 1984 mit in den totalitären Staat brachte. Pyongyang ist ein informativer, persönlicher und zugänglicher Blick auf ein gefährliches und rätselhaftes Land.